Samstag, 15. Juni 2013

Die Rückkehr des King Kong





Die Rückkehr des King Kong (OT: Kingu Kongu tai Gojira, Japan/USA 1962, Regie: Ishiro Honda)

Handlung: Das Monster Godzilla kann sich aus einem riesigen Eisberg (in dem es seit dem zweiten Godzillafilm aus dem Jahr 1955 gefangen ist) befreien und marschiert auf Tokio zu. Gleichzeitig lässt der Direktor eines Pharmaunternehmens King Kong zu Werbezwecken auf seiner einsamen Insel aufspüren und nach Japan bringen. Natürlich kann sich der an ein Riesenfloß gefesselte King Kong irgendwann befreien und es kommt wie es kommen muss. Die beiden Giganten zerlegen halb Japan und treffen irgendwann mit Wucht aufeinander...

Kritik: In diesem dritten Godzillafilm (dem zweiten von Regisseur Ishiro Honda) werden King Kong und das japanische Monster zum ersten Mal in der Filmgeschichte in Farbe präsentiert. Willis O'Brien, Pionier der Stop-Motion-Technik und maßgeblich am Erfolg des Klassiker „King Kong und die weiße Frau“ (1933) beteiligt, schrieb 1961 ein Drehbuch zu einem erneuten King-Kong-Film mit dem Tiel „King Kong vs. Frankenstein“, das jedoch bei Produzenten und Filmemachern auf keine große Resonanz stieß. Über Umwege und ohne das Wissen von O'Brien gelangte das Drehbuch in die Hände der japanischen Toho-Studios. Diese bauten ihre erfolgreiche Godzillafigur ein, und so entstand ein Film, der in gewissem Sinne gleichzeitig ein King-Kong- und ein Godzillasequel ist. Mit 11,2 Millionen Besuchern bei der Erstaufführung ist „Die Rückkehr des King Kong“ bis heute der erfolgreichste aller japanischen Godzillafilme.

Seit dem ersten Godzillafilm von 1954 arbeiteten die Japaner hauptsächlich mit dem sogenannten Suitmation-Verfahren, das heißt, dass Schauspieler in Monsterkostümen (suit: Anzug, Kostüm) durch extra aufgebaute Modelle von Miniaturlandschaften stampfen und dort ihrer Zerstörungswut nachgehen können. Insofern ist dieser Film die Suitmation-Premiere von King-Kong. Nur ganz selten arbeiteten die Japaner mit der Stop-Motion-Technik. Es ist das Suitmation-Verfahren, das den japanischen Monsterfilmen aus dieser Zeit einen besonderen Charme verleiht. Man erkennt unschwer die Modelle der Hochhäuser, Autos, Panzer, Landschaften, und auch die Kostüme, in denen die Schauspieler stecken, sind nicht immer von ausgezeichneter Qualität. In „Die Rückkehr des King Kong“ ist das King-Kong-Kostüm, besonders der Kopf, nicht gerade sehr gut gelungen. Trotzdem üben die Bilder dieser Filme auf den Betrachter eine große Faszination aus. Einige aus heutiger Sicht schlechte Aufnahmen wechseln sich immer wieder ab mit Bildern voller Erhabenheit.

Die „Rückkehr des King Kong“ ist in der sogenannten „Kaiju Classics“-Reihe der Firma Anolis erschienen (jap. Kaiju = Riesenmonster), und man kann Anolis zu ihrer wundervollen Edition nur beglückwünschen. Ich habe mich regelrecht verliebt in diese Serie und mir gleich all die Filme der „Kaiju Classics“-Reihe geholt, die noch zu einem einigermaßen vertretbaren Preis zu bekommen waren. Es sind halt begehrte Sammlerstücke. Die Filme befinden sich in einem Metalpak mit tollen Motiven und enthalten Booklets und viele Extras (Audiokommentare von Monsterfilm-Kenner Jörg Buttgereit u.a., Filmfassungen aus verschiedenen Ländern etc). In „Die Rückkehr des King Kong“ befinden sich Super-8-Fassungen, die deutsche Fassung, die US-Fassung und die japanische Original-Fassung mit deutschen Untertiteln. Wer etwas über Filmgeschichte und den damaligen Umgang mit Film lernen möchte, sollte sich unbedingt die drei Fassungen anschauen und dazu noch die US-Fassung mit den wirklich interessanten Kommentaren von Jörg Buttgereit und Bodo Traber. Dieser Film ist ein Beispiel für die „Amerikanisierung“ ausländischer, insbesondere japanischer Filme. Der Original-Film wurde „bearbeitet“, weil man glaubte, dass er sich so in den USA besser vermarkten ließ. Szenen mit amerikanischen Schauspielern wurden in den Film hineingeschnitten, und sogar die Filmmusik wurde ausgetauscht, was man bei diesem Film als besondere Sünde betrachten muss. Die hervorragende Musik von Akira Ifukube wurde ersetzt unter anderem durch Musik aus dem Film „Der Schrecken vom Amazonas“ von Jack Arnold. Unfassbar! Allein schon deswegen lohnt sich die japanische Originalfassung. Der stark satirische und komödiantische Duktus der japanischen Fassung wurde in den USA abgeschwächt, um mehr Ernsthaftigkeit zu erzeugen. Da die deutsche Fassung auf der geschnittenen US-Fassung beruht und ebenfalls noch mal bearbeitet wurde, sieht es so aus, dass die deutsche Fassung die kürzeste ist und die japanische die längste. Wer sich den Film nur einmal anschauen will, dem empfehle ich die japanische Fassung.

Für diesen Film gilt das, was für alle japanischen Godzilla- und Monsterfilme gilt: Man muss sie mögen. Es sind zum Teil sehr schnell und billig produzierte Werke, und die Effekte changieren zwischen grandios und lächerlich. Heute genießen sie bei vielen Fans Kultstatus. Über den Subtext dieser Filme ist schon viel geschrieben worden. Das Nationalmonster Godzilla und ähnliche Geschöpfe konnten nur in Japan entstehen, dem Land, das als einziges und hoffentlich letztes in der Geschichte der Menschheit den Abwurf zweier Atombomben auf sein Territorium erleben musste. Godzilla ist die Atombombe in Monstergestalt. In den ersten Godzillafilmen stand das Monster für die absolute, existenzielle Bedrohung Japans, später fand fast schon eine Domestizierung statt, und Godzilla rettete nicht selten Japan vor der Bedrohung durch andere Monster oder Außerirdische. Wenn man Godzilla als Monster gewordenes Symbol für Atombombe und Atomenergie im Allgemeinen betrachtet, wofür einiges spricht, dann läuft die Entwicklung dieses Monsters parallel mit der Entwicklung, die die Atomkraft in Japan genommen hat. Von der anfänglichen existenziellen Bedrohung hin zur friedlichen Koexistenz (Atomkraftwerke). Godzillafilme sind ein Stück japanische Kulturgeschichte.

Bei den Recherchen zu dieser Besprechung bin ich auf einen Artikel von Jörg Buttgereit in der Zeit.online gestoßen. Er schrieb dort: „Als soziopolitische Metapher geben Japans Filmmonster bis heute einen tiefen Einblick in die japanische Kultur. Denn egal, welche Bestien ihr Unwesen treiben, egal, was die Kaiju anrichten, zertrampeln und explodieren lassen: Anders als im amerikanischen Kino wird das stets übermächtige Monster am Ende nicht umgebracht. Vielmehr strebt man die mehr oder weniger friedliche Koexistenz an. Wer die Duldsamkeit und Ruhe der Japaner im Umgang mit der gegenwärtigen Katastrophe (Fukushima, FraSchei) begreifen will, sollte sich die Monsterfilme dieses Landes anschauen.“ Das ist auch meine Empfehlung...

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: King Kong fliegt an Ballons befestigt und von Hubschraubern gezogen durch die Luft // Godzilla nimmt einen Zug auseinander // Kampf zwischen King Kong und Godzilla // King Kong kämpft mit einem Oktopus // King Kong stopft Godzilla das Maul mit einem herausgerissenen Baum

Bewertung: (7/10)