Sonntag, 28. Juli 2013

Das Labor des Grauens





Das Labor des Grauens (OT: The Mutations; AT: The Freakmaker, Großbritannien 1974, Regie: Jack Cardiff)

Handlung: Professor Nolter (Donald Pleasence) ist ein Genforscher, der versucht, eine neue Art Mensch zu schaffen, indem er Pflanzen- und Menschen-DNA kreuzt. Dazu braucht er natürlich immer wieder mal menschliches Frischfleisch, das ihm sein verunstalteter Assistent Lynch besorgt. Lynch leitet gleichzeitig eine Freakshow, in der er unter anderem die Kreaturen der fehlgeschlagenen Versuche des Professors ausstellt. Als Lynch eines Tages die Studentin Bridget entführt und dem Professor bringt, machen sich deren Freunde auf die Suche nach ihr...

Kritik: „Das Labor des Grauens“ rekurriert an vielen Stellen auf Tod „Dracula“ Brownings Film „Freaks“ aus dem Jahr 1932. Und wie in Tod Brownings Film, spielen auch in „Das Labor des Grauens“ tatsächliche Mitglieder einer Sideshow mit. Außerdem gibt es auch viele Anspielungen auf „Frankenstein“-Filme und sogar auf „Augen ohne Gesicht“ („Les Yeux Sans Visage“, 1960) von Georges Franju (Hundeszenen). Die Klasse der Vorlagen und zitierten Filme erreicht „Das Labor des Grauens“ zwar nicht, es handelt sich eindeutig um ein B-Movie, und auf der Skala von trashig bis kultverdächtig ist der Film doch eher in der Trashgegend angesiedelt. Dennoch gelingt es dem Film einigermaßen gut, einen Spannungsbogen aufzubauen. Mit Donald Pleasence als Mad Scientist hat ein Schauspieler die Hauptrolle, der einige Jahre später durch sein Auftreten in „Halloween“ (1978) und den Folgefilmen eindeutig zu einer Ikone im Horrorgenre wurde. Die Rolle von Pleasence sollte ursprünglich Vincent Price spielen, und das sagt schon einiges über den Charakter des Films aus. Denn er hätte auch einer dieser typischen Price-Filme werden können. Doch es gab angeblich Probleme mit dem Agenten von Price, sodass aus der Besetzung nichts wurde.

Der Film beginnt mit einer Vorlesung über Genetik und die Möglichkeiten des Klonens. Einige Zeitrafferaufnahmen von blühenden Pflanzen und wachsenden Pilzen sollen die „Wissenschaftlichkeit“ der Handlung untermauern. Insofern ist „Das Labor des Grauens“ nicht nur ein Horror-, sondern auch ein Science-Fiction-Film. Und die Aussage des Professors, dass man in einigen Jahren aus einer einzigen Zelle eines toten Dinosauriers einen lebenden werde klonen können, wirkte damals sicher noch fantastischer als heute. Diese Wissenschaftlichkeit ist dann der Ausgangspunkt einer zwar hanebüchenen, aber relativ spannend erzählten Geschichte mit einigen guten Darstellern, besonders aus der Reihe der „Freaks“.

Doch der Film hat noch mehr zu bieten. Er zeigt uns einige authentische Bilder des Englands Mitte der Siebziger-Jahre und auch, wie damals oft Filme gemacht wurden. Nämlich bunt. Man ließ es farblich richtig krachen. So wirkt das Labor des Professors mit seinen exotischen Pflanzen und den knalligen Farben wie ein bildgewordener LSD-Trip. Der komplette Gegensatz zu den düsteren SW-Filmen der Universal-Klassiker. Neben diesem nostalgischen Charme bietet der Film auch einige gelungene Kameraeinstellungen, zum Beispiel die subjektive Kamera aus der Sicht eines im Labor erwachenden Opfers oder ein bisweilen gelungenes Schattenspiel (Regisseur Jack Cardiff war eigentlich Kameramann und als solcher auch bekannter). Als Liebhaber älterer Filme bin ich froh, diese „Perle“ in der Wühlkiste meines Elektromarktes zufällig gefunden zu haben. Ich kannte den Film bisher nicht, irgendwie ist er völlig an mir vorbeigegangen. Wer glaubt, sich an den Anspielungen, einigen trashigen Szenen und der Ästhetik ergötzen zu können, sollte sich diesen Film durchaus mal anschauen. Ohne historische Perspektive mag er dem heutigen jüngeren Publikum eher albern und an vielen Stellen unfreiwillig komisch erscheinen. Was er manchmal ja auch ist.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Kaninchen wird an Pflanze verfüttert // Pflanzenmonster // Freakshow // Pflanzenmonster verspeist Mensch // nacktes Opfer im Labor

Bewertung: (6/10)