Montag, 1. Juli 2013

The Watermen





The Watermen (OT: The Watermen, USA 2011, Regie: Matt L. Lockhart)

Handlung: Der reiche Erbe Trailor lädt die Brüder Mike und Bret sowie drei Mädels auf einen Hochsee-Trip ein. Die sechs Freunde wollen angeln und so richtig abfeiern, doch dann hat die Jacht einen Motorschaden An Bord funktionieren weder Elektrik noch Wasserversorgung. Die Luxus-Jacht treibt im Atlantik vor sich hin, und die Jugendlichen drohen zu verdursten. Dann kommt die vermeintliche Rettung, ein Fischerboot mit den Watermen an Bord, Angehörigen eines uralten, abgeschieden lebenden Volkes. Sie schleppen die Jacht ab und geben den Jugendlichen zu trinken. Doch das Wasser ist präpariert, die sechs Freunde fallen nacheinander in Ohnmacht. Der Horror beginnt, denn die Watermen wollen ihren Fang zu Fischfutter verarbeiten...

Kritik: Der Subtext dieses Films ist ein wirtschaftlicher, es geht um soziale Ungleichheit, um ehrliche Arbeit und Schmarotzertum. „Du weißt nicht, was Arbeit ist, du bist ein Schmarotzer“, sagt dann auch einer der Fischer zu seinem jugendlichen Opfer. Ähnlich wie in „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) von Tobe Hooper, in dem eine Familie von ehemaligen Schlachtern zu Kannibalen wird, haben wir es in „The Watermen“ gleich mit einem ganzen Berufsstand zu tun, dem die Lebensgrundlage entzogen zu werden droht. Zur gleichen Zeit betreiben die Jugendlichen auf ihrer Jacht das Fischen als Entertainment ohne jeglichen Respekt vor den Meerestieren. Die Lösung ist jedoch ganz einfach. Aus reichen Schnöseln kann man wunderbar Fischfutter machen, so lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn die Krabben beißen bei den rosafarbenen frischen Ködern aus Menschenfleisch besonders gerne an. Und mit den jungen Damen unter den Opfern kann man sich ja vor ihrer Filetierung auch noch etwas vergnügen.

Die gesamte Ästhetik des Films wird bestimmt von diesem Gegensatz zwischen Armut und Reichtum. Die arbeitenden Unterschichten, die Watermen, werden als schmutzige, vor Öl und Dreck triefende Männer mit langen Bärten gezeigt, die in einer ebenso schmutzigen Umgebung arbeiten. Die jugendliche Clique besteht nur aus gut aussehenden jungen Menschen, die männlichen unter ihnen sehen aus wie im Fitnessstudio gestählt, die weiblichen wie durch Diät und Silikon in Form gebracht. Und auch der einzige arbeitende Mensch an Bord, ein alter Steuermann, wirkt in der aseptisch anmutenden Kulisse auf der Jacht der Jugendlichen eher wie ein Fremdkörper. Ein Fremdkörper, der sich noch dazu demütigen lassen muss von den Mädels an Bord, die sich ihrer Wirkung auf alte Männer durchaus bewusst sind.

Das ist die Ausgangslage des Films, dem es aber nie wirklich gelingt, das Fahrwasser durchschnittlicher Genreproduktionen zu verlassen. Subtext, Anspruch und Figurenzeichnung gehen baden. Die Qualität von Filmen wie „Soylent Green“ (1973) oder „Delicatessen“ (1991), in denen das Menschenfleisch ja auch recht eigentümliche Wege geht, erreicht „The Watermen“ nicht.

In einer harten Anfangssequenz jagen zwei Fischer ein halbnacktes Mädchen durchs Schilf, spießen es am Angelhaken auf und schleifen es mit sich. Eine sehr gute, atmosphärisch gelungene Sequenz, die dem Zuschauer quasi als Köder hingeworfen wird. Eine Erwartungshaltung wird so geweckt, und das ist auch wichtig, denn in den folgenden 30 bis 40 Minuten plätschert der Film eher vor sich hin, und der Zuschauer würde dem Regisseur ohne diesen Leckerbissen wohl vom Haken gehen. Dann wird allerdings eine genretypische Schlachtplatte serviert, die manchem Fan ganz gut munden könnte. Die Qualität der Anfangsszene wird aber nicht mehr erreicht. Alles in allem ein durchschnittlicher Horrorfilm in feuchtem Setting mit einigen gelungenen Schauwerten.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Opfer wird filetiert // Waterman mit Silikonimplantat // Frau auf Fließband zum Knochenschredder // Stich ins Bein // junge Frau flieht vor zwei Fischern


Bewertung: (5,5/10)