Montag, 4. November 2013

Society





Society (OT: Society, AT: Dark Society, USA: 1989, Regie: Brian Yuzna)

Kritik: Der junge Bill Whitney gehört der High Society von Beverly Hills an, hat reiche Eltern und eine hübsche Schwester. An der Highschool ist er äußerst beliebt, er steht kurz vor der Wahl zum Schulpräsidenten, und er hat eine hübsche Cheerleader-Freundin. Doch er besucht auch regelmäßig einen Psychiater, weil er unter Ängsten leidet und zunehmend Wahnvorstellungen entwickelt. Er beobachtet seine Schwester beim Duschen und glaubt, durch die durchsichtige Duschkabine zu sehen, dass ihr Körper total verdreht ist, der Po befindet sich vorne. Und tatsächlich scheinen sich auch Familie und Freunde langsam zu verändern. Als ihm ein Mitschüler ein merkwürdiges Tonband vorspielt, seine Eltern und seine Schwester unterhalten sich darauf über Inzest und Gruppensex, und dieser Schüler kurz danach stirbt, ahnt Bill, dass etwas Unheimliches in seiner Umgebung vorgeht. Er stellt mit seinem Freund Milo Nachforschungen an und kommt einer geheimen Gesellschaft auf die Schliche. Auf wilden Partys der High Society werden Menschen verspeist und es werden inzestuöse „Paarungen“ vollzogen. Eine solche Party findet ausgerechnet in Bills Elternhaus statt. Dort erfährt er, dass seine Eltern nicht seine richtigen Eltern sind, sondern dass er adoptiert und aufgezogen wurde mit dem Zweck, der elitären Gesellschaft eines Tages als Nahrung zu dienen. Dieser Tag ist nun gekommen. Als sich ein Mitgleid der Gesellschaft über Bill hermacht, grölt die Masse nur: „Saug ihn aus!“

Der Film „Society“ aus dem Jahr 1989 ist Brian Yuznas erste Regiearbeit und wohl einer seiner politischsten und bedeutendsten Filme. Die bissige Sozialkritik des Films funktioniert zeitlos. Auch und gerade heute liest sich „Society“ als Parabel auf aktuelle Herrschaftsverhältnisse und die zunehmende Aufspaltung der Gesellschaft in Arm und Reich. Yuzna kritisiert Korruption, Elitedenken und einen neuen Rassismus, einen Rassismus der Reichen gegenüber den Armen, die hier im wahrsten Sinne des Wortes „ausgesaugt“ werden. Ein Rassismus, der nur den Reichen u. a. uneingeschränkten Zugang zu Bildung, Gesundheit und gesellschaftlichen Ressourcen ermöglicht. In diesem Sinne haben die Mitglieder der High Society an die Unterschichten nur eine konservative, rassistische Botschaft, die im Film durch den Psychiater vermittelt wird, der Bill warnt: „Menschen sind nun mal das, was sie sind, und du musst lernen, die gesellschaftlichen Regeln, die wir haben, zu akzeptieren... Wenn du diese Regeln nicht akzeptierst, wird etwas ganz Schreckliches passieren... Es gibt Menschen, die Regeln aufstellen, und es gibt Menschen, die sie befolgen müssen... Es hängt nur davon ab, als was du geboren wirst.“ Noch konkreter wird der Psychiater auf der Party im Haus von Bills „Eltern“: „Bill, du gehörst zu einer anderen Rasse als wir, einer anderen Spezies, einer ganz anderen Klasse. Man wird hineingeboren in diese Gesellschaft.“ Hier erinnert der Film stark an John Carpenters Meisterwerk „Sie leben!“ Bills Kontrahent Ted, der ebenfalls der Gesellschaft angehört, bringt es ganz undiplomatisch noch direkter auf den Punkt: „Die Reichen haben arme Schlucker wie dich immer schon geschluckt.“

In John Carpenters Film sind es ja tatsächlich Außerirdische, während es sich in „Society“ wohl um eine alte Rasse handelt, die sich parallel zur menschlichen entwickelt hat. Der Film geht nicht genauer auf dieses Thema ein. Die Gefühlskälte der Mitglieder der geheimen Gesellschaft wird im Film auch symbolisiert durch das Verhalten von Bills Familie. Als Bill ihnen mitteilt, dass ein Mitschüler gestorben ist, reagieren sie kalt und uninteressiert. Seine Schwester will nur wissen, was er anzieht. „Auf der Beerdigung?“, fragt Bill. „Nein, auf der Party heute Abend.“



Konzernchef, Lobbyist, Politiker? Man weiß es nicht...


Der Film kommt in der ersten Hälfte noch etwas daher wie eine Teenagerkomödie, wenn auch hier schon mit klaren Anspielungen. Doch dann nimmt er schnell an Fahrt auf. Berühmt und berüchtigt ist der Film „Society“, der in Deutschland auch mal unter dem Titel „Dark Society“ veröffentlicht wurde, für seine Schlussszenen, die letzten circa 15 Minuten. Die Mitglieder der High Society mit ihren schleimigen, völlig deformierten Körpern, sinnbildlich wohl für die deformierte Psyche der anderen Rasse, feiern eine orgiastische, inzestuöse Orgie, bei der auch ein Mensch „ausgesaugt“ wird. Hier zeigt Yuzna „glitschige“, eklige Bilder, die man so noch nicht gesehen hat und sich nur mit gesundem Magen anschauen sollte. Musikalisch begleitet wird das Ganze von Johann Strauss' „An der schönen blauen Donau“. Hände suchen sich über den Anus den Weg durch den Körper und kommen aus dem Mund heraus, Körper verschmelzen miteinander, und manche Mitglieder der High Society verwandeln sich in echte „Arschgesichter“. Der Spezialeffekte-Künstler Joji „Screaming Mad George“ Tani hat hier ganze Arbeit geleistet (siehe Foto). Die Botschaft am Ende des Films ist eindeutig. Hier muss einiges „umgestülpt“ werden. Das letzte Wort haben aber wieder die Mitglieder der geheimen Gesellschaft, die ankündigen, ihre Aktivitäten nun nach Washington zu verlegen...

„Society“ sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Mit seiner zeitlosen Gesellschaftskritik und den fulminanten, einmaligen Bildern gegen Ende des Films erhebt er sich weit über den Durchschnitt ähnlicher Genreproduktionen. „Society“ wurde 1990 indiziert und erhielt erst im Juli 2013 die FSK-16-Freigabe. Er liegt jetzt ungeschnitten vor. 

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Duschszene Schwester // Orgie der Society // Arschgesicht // Mutter und Tochter zu einem Körper verschmolzen // Gesichter verschmelzen mit menschlicher Nahrung

Bewertung: (7,5/10)