Dienstag, 4. März 2014

Die Teufelswolke von Monteville




Die Teufelswolke von Monteville (OT: The Trollenberg Terror, AT: The Crawling Eye, GB 1958, SW, Regie: Quentin Lawrence )

Kritik: Der weiße Nebel nähert sich vom Meer kommend unaufhaltsam der kalifornischen Küstenstadt Antonio Bay, und er führt grauenhafte Passagiere mit sich: halbverweste Leichen, die sich an den Einwohnern der Stadt für in der Vergangenheit begangenes Unrecht rächen wollen. Das ist die Situation in John Carpenters Horrorfilmklassiker „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980). Ähnlich ist die bedrohliche Ausgangslage im Science-Fiction-Film „Die Teufelswolke von Monteville“ aus dem Jahr 1958. Hier ist es eine radioaktive Wolke, die am Berg Monteville in der Nähe des Alpenortes Trollenberg festhängt. Auch sie führt Passagiere mit sich, außerirdische Monster, die die Erde erobern wollen. Die Ähnlichkeit zwischen beiden Filmen ist nicht zufällig. John Carpenter hat „Die Teufelswolke von Monteville“ mehrmals gesehen, der Film von Quentin Lawrence war in seiner Jugend einer seiner Lieblingsfilme. Und Carpenter gibt im Audiokommentar zum Film offen zu, dass er bei „The Fog“ von dem älteren Film inspiriert worden ist.

Der Science-Fiction-Film als Seismograf für kollektive Ängste erlebte in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen regelrechten Boom. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Erfahrung des Atombombenabwurfs auf japanische Städte dominierten im Kontext von Korea-Krieg und Kaltem Krieg in den westlichen Ländern vor allem zwei Ängste: die vor der Bedrohung durch Radioaktivität (Atombombe) und die vor einer kommunistischen Invasion. Der Science-Fiction-Film mit seinen Themenbereichen Monster, Mutationen und Invasionen bot den Zuschauern die Gelegenheit, Ängste und Situationen, die den realpolitischen sehr ähnlich waren, im Kinosaal oder im Autokino lustvoll zu erleben und zu überleben. Diese kathartische Wirkung ist sicher mit ein Grund dafür, dass die Filme in der damaligen Zeit auf so große Resonanz stießen, obwohl sie in der großen Mehrheit eher schlecht und billig gemacht waren. Monster wurden durch Atombombenexplosionen erweckt („Panik in New York“, 1953) oder waren Ergebnis von Mutationen, die durch den Einfluss radioaktiver Strahlen entstanden sind („Formicula“, 1954). Außerirdische hatten nichts anderes im Sinn, als die Menschheit zu vernichten („Kampf der Welten“, 1953) oder die Körper der Menschen zu übernehmen („Die Dämonischen“, 1956). Nicht selten wurden bei den Filmen die Genres Science-Fiction und Horror vermischt. Auch die „Teufelswolke von Monteville“ ist eine dieser Low-Budget-Produktionen, die damals wie Atompilze aus dem Boden schossen. Der Film ist dem Science-Fiction-Genre zuzurechnen, enthält aber auch Topoi des typischen Horrorfilms (abgerissene Köpfe, lebende Tote).

Der Film beginnt mit einer Szene in den Schweizer Alpen. Einer von drei Bergsteigern trifft auf etwas Unheimliches, man sieht ihn nicht, sondern hört nur seine Stimme. Dann stürzt der mit einem Seil gesicherte Bergsteiger ab und wird von seinen zwei Begleitern wieder nach oben gezogen. Die müssen entsetzt feststellen, dass ihrem Mitkletterer der Kopf fehlt. Da dies offensichtlich nicht der erste Zwischenfall dieser Art war, begibt sich der amerikanische Wissenschaftler Alan Brooks, der für die UNO arbeitet, nach Trollenberg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Im Zug trifft er auf zwei Frauen, die als Varietékünstlerinnen durchs Land ziehen. Eine von beiden ist hellseherisch begabt und besteht darauf, außerplanmäßig in Trollenberg auszusteigen. Sie fühlt sich auf eine verstörende Art vom Berg angezogen. Im weiteren Verlauf der Ereignisse wird den Protagonisten schnell klar, dass alles Übel von der Wolke ausgeht. Noch dazu versuchen einige Opfer der „Wolke“, lebende, ferngesteuerte Tote, die Hellseherin zu töten. Dann fängt die Wolke an sich zu bewegen. Sie wandert auf den Ort Trollenberg zu. In der Wolke befinden sich glubschäugige Monster mit Tentakeln, die es auf die Menschen abgesehen haben...

Man sieht dem Film sein niedriges Budget an. Wackelnde Bergkulissen, das immer gleiche Matte-Painting vom Berg Monteville, das in nahezu jeder Szene den Hintergrund bildet, und ein äußerst übersichtliches Setting lassen die beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Produzenten erahnen. Und dass der Film aus einer Mini-Serie für das britische Fernsehen hervorgegangen ist, kann er leider auch nicht verhehlen. Es oblag der Drehbuch-Legende Jimmy Sangster, der durch seine zahlreichen Arbeiten für die Hammer-Studios bekannt geworden ist, den Serienstoff zu einem Kinofilm umzuarbeiten. Was ihm aber nur zum Teil wirklich gelang. Der Film zeichnet sich durch eher unterentwickelte Figuren und nicht ausgereizte Charaktere aus (Reporter, Hellseherin). Vieles, wie der Vorfall in den Anden, bleibt nur nebulöse Andeutung, und Handlungsweise und Motivation einiger Figuren sind rätselhaft bis unlogisch. Eines kann man dem Film aber nicht absprechen: den für billig und schnell produzierte Science-Fiction-Filme der 50er-Jahre typischen Charme. „Die Teufelswolke von Monteville“ unterhält auf wunderbare Weise, auch heute noch. Produktionsteam und Schauspieler gaben sich die größte Mühe, einen Invasionsfilm zu drehen, der ernstgenommen werden will. Meine persönlichen Highlights des Films sind die Szenen gegen Ende, als die Monster ihren Auftritt haben. Hier sehen wir Bilder, die wahrhaft im Gedächtnis bleiben.

Bewertung: (5,5/10)