Freitag, 10. Mai 2013

Excision

 


Excision (OT: Excision, USA 2012, Regie: Richard Bates jr.)

Handlung: Pauline ist eine 17-jährige Highschool-Schülerin, die von einer Karriere als Chirurgin träumt. Nur so, glaubt sie, könne sie später ihrer kleinen, an Mukoviszidose erkrankten Schwester helfen. Doch Pauline ist keine normale Schülerin, sie ist ein Außenseiter, ein Freak, mit dem niemand etwas zu tun haben will. Sie legt wenig Wert auf ihr Äußeres oder Verhaltenskonventionen und eckt mit ihrer Art bei Lehrern und Mitschülern immer wieder an. Besonders aber mit ihrer Mutter liegt sie im Dauerstreit. Nachts hat Pauline obszöne Träume, die von Sex, Blut und Leichen handeln. Diese Träume scheinen sie auch sexuell zu erregen. Als sie ihre Jungfräulichkeit verlieren will, geht sie zu ihrem Favoriten aus der Highschool und sagt es ihm direkt ins Gesicht. Sie gibt ihm ihre Telefonnummer mit dem Hinweis, sich nicht zu viel Zeit zu lassen. Sie arrangiert den Termin so, dass sie während der Entjungferung ihre Periode hat. Zu Hause kommt es immer wieder zu Streit mit der Mutter. Diese schickt Pauline, um sie zu disziplinieren, in eine Tanzgruppe. Pauline fühlt sich zu alt dafür, findet es nur peinlich und tut alles, um nicht dorthin gehen zu müssen. Langsam eskaliert die Situation. Pauline verfällt immer mehr dem Wahnsinn und entschließt sich, eine Lungentransplantation an ihrer Schwester vorzunehmen...

Kritik: Wenn man sich regelmäßig Filme anschaut, dann schaut man sich auch regelmäßig Filme an, die in die Kategorie Zeitverschwendung fallen. „Excision“ ist einer der Filme, die einen für all das entschädigen. Dafür wurde das Kino erfunden. „Excision“ ist ein Film, der direkt in die Magengrube zielt und einen noch Tage später beschäftigt. „Excision“ rockt. Aus diesem Holz sind Kultfilme gemacht. Wer jedoch kein Blut sehen kann, der wird schon nach den ersten 60 Sekunden abschalten. Aber das wäre ein Fehler. Genremäßig lässt sich „Excision“ schwer einordnen. Es ist ein Mix aus Horrorfilm, Coming-of-Age-Film und Drama. Umwerfend ist Annalynne McCord als Pauline. Mit ihrer grandiosen Art beherrscht sie den ganzen Film. Ihre blutigen Träume werden scharf und in knalligen Farben, poetisch und surreal in Szene gesetzt. „Excision“ seziert auf den ersten Blick das konservativ-religiöse Amerika mit seiner rigiden Sexualmoral und den üblichen gesellschaftlich anerkannten Zwängen. Man entwickelt Sympathien für Pauline und applaudiert ihr innerlich, wenn sie in Dialogen ihrer strengen Mutter, einem Geistlichen, Lehrern und Mitschülern mit beeindruckender Selbstsicherheit und bestechender Logik Paroli bietet und sogar den lieben Gott vorführt. Doch eines Tages gibt sie ihre Antihaltung auf und verkündet ihren Eltern beim Abendessen, dass sie sich ändern wolle und eingesehen habe, dass es nicht immer nur um sie gehen könne. Sie wolle ihre Eltern nun stolz machen. Diese Ankündigung leitet eines der krassesten Finale der Filmgeschichte ein. Und der Zuschauer bleibt verstört zurück. Feinster Arthouse-Horror. Absolut empfehlenswert! Herzlich willkommen, „Excision“, im Olymp meiner Lieblingsfilme!

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: schwebender Kopf von Pauline // sämtliche Traumsequenzen // Pauline seziert toten Vogel // Pauline betet zu Gott // Pauline übergibt sich auf Sitznachbarin in der Highschool // Pauline mit Glatze // Pauline spuckt Blut // Transplantation u. v. a.

Bewertung: (8,5/10)