Mittwoch, 1. Mai 2013

The Story of Film - Die Geschichte des Kinos




The Story of Film – Die Geschichte des Kinos
(OT: The Story of Film: An Odyssey, Großbritannien 2011, Regie und Drehbuch: Mark Cousins, 915 Minuten)

„Es ist an der Zeit, die Filmgeschichte, wie wir sie in unseren Köpfen haben, neu zu skizzieren. Sie ist sachlich ungenau und durch Auslassungen rassistisch.“ Die Stimme aus dem Off (im Deutschen Kinokritiker Knut Elstermann) macht uns neugierig auf 15 Stunden Filmgeschichte des nordirischen Filmkritikers Mark Cousins, die auf seinem Buch basiert, das 2004 erschien. 15 Stunden Filmgeschichte von den Anfängen bis (fast) zur Gegenwart. Schon am Anfang weist Cousins auf die wichtige Rolle hin, die Frauen in den Anfängen Hollywood spielten. In allen circa einstündigen Folgen lenkt er die Aufmerksamkeit des Zuschauers immer auch auf die Entwicklungen des asiatischen, lateinamerikanischen oder afrikanischen Films. Und das alles, ohne dabei die traditionelle Filmgeschichte zu vernachlässigen. Dass er durch diese erweiterte Perspektive zu neuen Erkenntnissen kommt, liegt auf der Hand. Einstellungen, für die Orson Welles bekannt ist und die ihm zugeschrieben werden, gab es schon vorher im japanischen Kino, so Cousins. Er behauptet so etwas nicht nur, sondern zeigt es uns auch.

„The Story of Film“ ist nicht nur eine Filmgeschichte, es ist ein Lehrwerk über Filmästhetik und Filmtheorie, das jeder Cineast in seiner privaten Sammlung stehen haben sollte. Unendlich viele Sequenzen und Szenen aus bekannten und weniger bekannten Filmen werden genauestens analysiert. Allein die Auswahl dieser Ausschnitte lässt den Filmliebhaber mit der Zunge schnalzen. Und ganz nebenbei kann man sein Filmwissen auffrischen und erfährt etwas über Parallelmontage, Perspektiven und Kameraeinstellungen, Eisensteins Montagekunst, die Bedeutung des Schnittes, eigentlich über alles, was man wissen muss, um Filme adäquat beurteilen zu können. Immer wieder zeigt uns Cousins auch Beispiele für Filmzitate, d. h. wie Szenen und Motive aus älteren Filmen in neueren Werken Verwendung finden oder als Inspirationsquelle dienten. Schauspieler(leistungen) werden gewürdigt, und in zahlreichen Interviews lernt man Stars, Filmschaffende und Kritiker und deren Ansichten kennen. Das alles begleitet und kommentiert von Filmbeispielen. Man möchte sich am liebsten eine Folge dieser Dokumentation nach der anderen ansehen. Und wenn man sich später einen Film anschaut, den auch Cousins unter die Lupe genommen hat, sieht man diesen bewusster und manchmal auch mit anderen Augen...

Die Titel der 15 Folgen lauten wie folgt: 1. „1895-1918: Die Welt entdeckt eine neue Kunstform“. 2. „1918-1928: Der Triumph des amerikanischen Films und seine ersten Rebellen.“ 3. „1918-1932. Die großen Filmrevolutionäre rund um die Welt.“ 4. „Die 1930er: Die großen amerikanischen Filmgenres und die Virtuosität des europäischen Films.“ 5. „1939-1952: Die Verwüstung durch den Krieg – und eine neue Filmsprache.“ 6. „1953-1957: Das Weltkino platzt aus allen Nähten.“ 7. „1957-1964: Der Schock des Neuen – Modernes Filmemachen in Westeuropa.“ 8. „1965-1969: Neue Wellen erobern die Welt.“ 9. „1967-1979: New American Cinema.“ 10. „1969-1979: Radikale Filmemacher in den 1970ern.“ 11. „Die 1970er und danach: Innovation in der Populärkultur.“ 12. „Die 1980er: Filmemachen und Protest in aller Welt.“ 13. „1990-1998: Die letzten Tage des Zelluloids vor der Ankunft des Digitalfilms.“ 14. „Die 1990er Jahre: Die ersten Tage des Digitalfilms – Realität verliert ihre Echtheit.“ 15. „Seit 2000: Der Film schließt den Kreis und die Zukunft des Kinos.“