Sonntag, 19. Mai 2013

Vampiro



 

Vampiro (OT: El Vampiro, Mexiko 1957, SW, Regie: Fernando Méndez)

Handlung: Die hübsche Marta hat von ihrem Onkel eine Nachricht bekommen, dass ihre geliebte Tante Maria im Sterben liegt. Marta reist also in die kleine mexikanische Stadt Sierra Negra, an den Ort, wo sie ihre Kindheit verbracht hat. Sie muss feststellen, dass die Hazienda zur Ruine verkommen ist. Und sie erfährt, dass Marta bereits verstorben ist. Ihre andere Tante, Eloise, ist ein Vampir, ebenso wie der mysteriöse Nachbar, Duval, der die Hazienda unbedingt kaufen will und der Marta zudem nach dem Leben trachtet...

Kritik: Ein besonders in Europa lange verkanntes Meisterwerk des Vampirfilms, das 1957 den Durchbruch für den mexikanischen Horrorfilm bedeutete. Ein Jahr vor dem in knalligen Farben aufgenommenem „Dracula“ der Hammer-Studios kommt dieser Streifen noch schwarz-weiß daher. Der charismatische Vampir erinnert dabei schon ein wenig an Christopher Lee, und zum ersten Mal wird ein Blutsauger mit verlängerten Eckzähnen gezeigt (Murnaus „Nosferatu“, 1922, hatte verlängerte Schneidezähne/Rattenzähne, Tod Brownings „Dracula“ biss 1931 ohne verlängerte Hauer zu). Der Film schlägt in gewisser Weise eine Brücke zwischen Tod Brownings „Dracula“ und den „Dracula(s)“ der britischen Hammer-Studios. Die an den expressionistischen Film erinnernden hervorragenden SW-Aufnahmen verleihen dem Film eine dichte, gruselige Atmosphäre. Überhaupt ist die Kameraarbeit sehr gut, manchmal nahezu innovativ. In vielen Einstellungen wird mit der Tiefe des Raumes gespielt. Nicht mit so perfekter Schärfe wie in „Citizen Kane“, aber doch ähnlich. Besonders gelungen ist eine Szene am Anfang des Films, als die Kamera Marta und ihren Begleiter beobachtet, die mit viel Gepäck und zu Fuß auf dem Weg zur Hazienda sind. Durch eine schnelle Kamerabewegung/-schwenk wird die Vampirin (zu der Zeit weiß man noch nicht, dass es eine ist) ins Bild genommen. Im Vordergrund, praktisch direkt vor der Kamera, taucht sie in ihrem schwarzen Gewand urplötzlich auf. So nah, dass die Kamera ausweichen muss, um nicht mir ihr zu kollidieren. Mit dem begleitenden Sound hat das schon Schockeffekt-Charakter. Später im Film, bei einer Schlägerei, füllt das (bewegungs-)unscharfe Gesicht eines von einem Schlag Getroffenen den gesamten Bildkader aus. Kein Vergleich mit der eher langweiligen, meist statischen Kamera in Tod Brownings „Dracula“. Wer Vampirfilme mag und sammelt, sollte dieses kleine Meisterwerk in seinem Schrank stehen haben. Dass einige Effekte nicht so gelungen sind, wie zum Beispiel die zahlreichen Fledermausflüge, sollte einen nicht abschrecken. Das haben auch die Hammer-Studios nie realistisch hinbekommen.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Dracula tötet einen Bauern // Dracula erhebt sich aus dem Sarg // Vampirin Eliose erscheint aus dem Nichts // (un)tote Maria im Sarg mit Jesusfigur auf dem Bauch // sterbende Vampirin, die langsam altert und sich in ein Skelett verwandelt

Bewertung: (7,5/10)