Sonntag, 21. Juli 2013

Sinister





Sinister (OT: Sinister, USA 2011, Regie: Scott Derrickson)

Handlung: True-Crime-Schriftsteller Ellison muss wegen finanzieller Probleme mit Frau, Sohn und Tochter in ein kleineres Haus ziehen. In dem Haus kam vor einiger Zeit eine Familie auf ungeklärte Weise ums Leben. Doch das verschweigt Ellison seiner Frau und seinen Kindern. Er möchte einen neuen Bestseller schreiben und fängt an zu recherchieren. Auf dem Dachboden findet er eine Kiste mit einem Super-8-Projektor und Filmen. Auf den Filmen ist zu sehen, wie Familien auf grausame Art ermordet werden. Nur jeweils eines der Kinder bleibt verschwunden. Außerdem stößt er auf eine mysteriöse Gestalt, die in jedem der Filme auftaucht...

Kritik: Der klassische Dämonen- und Geistergrusler ist nicht totzukriegen, allen Unkenrufen zum Trotz. Filme wie „Mama“, „The Awakening“, „Insidious“, „Sinister“ und viele andere zeigen, dass diese Sparte des Horrorgenres mehr zu bieten hat als die meisten Filme der „Torture Porn“-Welle. Die Folterhorror-Filme erschöpfen sich doch letztendlich in der immer wieder gleichen Splatterästhetik.

„Sinister“ vereint in sich geschickt Elemente von klassischem Dämonen- und Geisterfilm, Detektiv- und Serienkillerfilm, Found-Footage-Ästhetik, Gewalthorror und einer Prise Familiendrama. Das Erfolgsrezept komplett machen die gute Kameraarbeit und tolle Bilder, ein passender (Elektro-)Score von Christopher Young und eine funktionierende Geschichte um den gut aufspielenden Ethan Hawke, der in Profiler-Manier und stets Alkohol konsumierend den Geheimnissen um die getöteten Familien auf die Spur zu kommen versucht. Der Film garantiert durchgehende Gruselspannung bis zum Ende, lässt sich aber auch genügend Zeit für die Figurenentwicklung.

„Sinister“ spielt gekonnt mit der Faszination von Gewalt, die vom Medium Film ausgeht. Wie die Hauptfigur so erlebt auch der Zuschauer sämtliche Gewaltszenen bei der Betrachtung der Super-8-Filme und in der entsprechend verrauschten Qualität. Diese Filme tragen doppeldeutige Titel wie „Gartenarbeit“, „Familie hängt rum“, „Pool-Party“ etc. und zeigen alle zunächst das idyllische Leben unterschiedlicher Familien, bevor die Szenerie wechselt und die Morde an den Familien gezeigt werden. Bleibenden Eindruck hinterlassen nicht nur die brutalen Tötungsszenen selbst, sondern auch die Erkenntnis am Ende des Films, die sich aber schon lange andeutete, wer diese Morde ausgeführt hat und mit welcher Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit dies geschah. „Sinister“ ist ein klug inszenierter und atmosphärisch dicht erzählter Horrorfilm alter Schule, der oft mit langen Einstellungen arbeitet, in denen man das Böse und den Schrecken jederzeit erwartet. Besonders beeindruckend sind die Szenen, in denen die Geisterkinder oder der Dämon auftauchen. Manchmal ertappt man sich dabei, dass man genauso handelt wie der Hauptdarsteller, man hält den Film an oder schaut sich eine bereits gesehene Szene noch einmal an, um sicherzugehen, nichts übersehen zu haben. Zumindest einmal gesehen haben sollte man „Sinister“ auf jeden Fall, denn er ist auf unterhaltsame Weise düster, zwielichtig, unheilvoll, eben sinister.

Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Geisterkinder umtänzeln Hawke, der durch den Korridor schleicht, von hinten // Geisterkinder auf dem Dachboden schauen einen Film // gehängte Familie // Pool-Mord // Dämon // Mädchen mit Axt

Bewertung: (8/10)